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Die Musik Maigrets

Die Musik MaigretsDa können einem die Ohren klingeln! In den letzten Jahren gab es immer mal wieder Veröffentlichungen von Musik, die in Maigret-Filmen - sei es den Kino-Produktionen wie auch den Serien - veröffentlicht wurden. Bisher wurde aber, nach meiner Erinnerung, nur einmal eine Frage zur Musik an mich herangetragen und dabei ging es um ein Geburtstagsgeschenk. Zeit, sich mal um dieses Thema zu kümmern...

Wenn man einen dramatischen Beginn mag, dann ist man mit der Musik von Paul Misraki gut aufgehoben, der den Gabin-Maigret »Maigret tend un piège« (»Maigret stellt eine Falle«) vertonte. Nach dem dramatischen Beginn kommt dann aber schon ein Walzer, wie man ihn aus den kommenden TV-Maigret-Themen kennt. Der 1909 geborene Misraki studierte klassische Komposition in Paris und wurde bekannt als Jazz-Pianist und Arrangeur. In den 30er Jahren begann er mit der Komposition von Film-Musik und arbeitete mit Jean Renoir zusammen. Der Soundtrack zu dem Maigret-Film kommt mit fünf Stücken daher, die unterschiedlicher sind sein könnten.

Sucht man im Internet nach »Maigret« und »Theme«, so kann man sich sicher sein, dass das erste Ergebnis »Ron Grainer« sein wird, der für die BBC-Serie mit Rupert Davies die Filmmusik geschrieben hatte. Lange Zeit Zeit war man auf die miese Qualität angewiesen, die Schallplatten-Mitschnitte so an sich haben und wenn sie dann noch mal für langsame Daten-Anbindungen komprimiert werden, kommt dabei nichts Gutes dabei raus. Was Ron Grainers Maigret-Thema angeht, muss man darauf nicht mehr zurückgreifen: 2009 erschien »The Maigret Theme & Other Themes From The BBC TV Series« und auf dieser CD ist der komplette Soundtrack zu finden, wie er 1963 schon veröffentlicht worden war. Das Maigret-Thema beginnt ein wenig Tagesschau-mäßig, um dann abrupt auf Akkordeon-Musik umzuschwenken. Spielte man die Musik jemandem vor, der nicht wüsste, dass die Musik etwas mit Maigret zu tun hat, er könnte die Musik ohne Probleme in den 50er und 60er Jahren verorten. Dabei ist sie sehr gut hörbar und ich war positiv überrascht. Anspieltipps wären »Arlette« und »Ginette«. Wie der Titel der CD schon »mitteilt«, sind auf dieser CD - im Unterschied zum Original - auch andere TV-Themen von Ron Grainer zu hören.

Es gibt mehr als ein TV-Thema aus dieser Zeit: Zu nennen wären da die Interpretationen von »The Eagles« und Joe Loss. Loss war der Bandleader einer bekannten britischen Musikformation, mir fällt wirklich kein besserer Name ein; Big Band trifft es aber noch am Besten. Ob seine Interpretation wirklich in der Fernsehserie der BBC verwendet worden ist, kann ich nicht sagen - vielleicht hat er das Thema aufgegriffen, da es zu der Zeit sehr populär war. Das Thema der »Eagles« hatte mich indes immer ein wenig ratlos zurück gelassen. Es schlummerte schon lang in meiner MP3-Sammlung, ich brachte aber diese Band mit »Hotel California« zusammen und das passte so gar nicht. Die Lösung ist recht trivial: Es gibt (gab) zwei Bands mit diesem Namen. Die Eagles, von denen hier die Rede ist, arbeiteten in Großbritannien mit Ron Grainer zusammen, der an einem Film über eine erdachte Band aus Bristol arbeitete. In diesem Zuge interpretierten sie Arbeiten von Ron Grainer neu, die auch auf einem erfolgreichen Album zum Film »Some People« veröffentlicht wurden.

Rupert Davies summte und pfiff auch mal das Maigret-Thema, was auf dem Album »God Ol’ Days« von ihm zu hören ist. Amüsant, muss man aber nicht haben…

In Deutschland wurde für die Maigret-Reihe der BBC nicht die Orignal-Musik verwendet. Das Maigret-Thema wurde von Ernie Quelle komponiert und gespielt. Hin und wieder sieht man noch Schallplatten-Aufnahmen davon im Internet. Wer es auf CD hören möchte, kann dies tun, da zwei Aufnahmen, die der Maigret-Serie zugeordnet werden können, auf einer CD namens »KriminalTango« zu finden sind, die auf dem Label Bear Family zu finden sind.

Dann war es ganz lange Zeit ruhig und es folgten die Verfilmungen von Maigret im französischen Fernsehen. Auf einigen Samplern (beispielsweise: Télé Tubes, vol. 3) ist die Titel-Musik zu finden, die in der Maigret-Verfilmung von Jean Richard verwendet worden ist - 2:41 kurz (oder lang) lohnt es sich wohl nicht dafür die gesamte CD zu kaufen, aber iTunes und Co. helfen beim Download einzelnen Dateien ja gern weiter. Den Stil des Stücks von Raymond Bernard würde ich als Instrumentalstück zum Mitschunkeln. Nachdem man den Schauspieler ausgetauscht hatte, tauschte man auch die Musik und den Stil - für die neuen Produktionen verwendete man Musik von Laurent Petitgirard. Sie ist instrumental und wurde mit großem Orchester eingespielt, und obwohl ich orchestrale Film-Musik mag, habe ich zu dieser Musik nie einen Zugang gefunden. Die CD ist irgendwo in meinem Schrank versteckt und ich habe sie auf Anhieb nicht gefunden. Auch hier gibt es mittlerweile die Möglichkeit, die Musik von diversen Anbietern herunterzuladen - wenn man nicht gerade die Musik verschenken möchte.

Auch die Briten hatten noch mal ihren Maigret: Die Fernsehserie mischt Michael Gambon überrascht was die Musik angeht nicht. Auch hier gibt es ein typisches Paris-Maigret-Thema, welches von Nigel Hess stammt.

Jüngstes Mitglied in der Score-Reihe ist die Filmmusik von Nicola Piovani für die italienischen Maigret-Filme aus den 2000er Jahren. Das Thema fängt ganz behutsam und langsam an, bevor man in die typisch französische Akkordeon-Schiene kommt. Obwohl ich das so typisch finde, muss ich sagen, dass es gleichzeitig auch sehr sympathisch ist. Piovani arbeitet wie Petitgirard mit Orchester, dabei werden jedoch immer wieder Klavier- und Akkordeon-Themen benutzt. Meine Anspieltipps wären »Le Memorie Di Maigret« und »Le Avventure Di Maigret«.

(Filmmusik gibt es auch zu anderen Filmen und Serien, allerdings werden hier nur die behandelt, die man auch käuflich erwerben kann (oder seit den 2000er Jahren konnte).

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Transformation

Seit einigen Wochen arbeite ich an einem neuen Erscheinungsbild und neuen Inhalten. Weshalb und warum, das habe ich etwas ausführlicher hier aufgeschrieben. Dort und auf dem Twitter-Account @maigret_de gibt es auch neue Informationen rund um Maigret und Simenon. Hier bleibt bis zur Neu-Veröffentlichung erst einmal alles so, wie es ist.
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Abschied

In der letzten Zeit gab es Hinweise, dass es um die Lieferbarkeit von Simenon-Romanen nicht zum Besten bestellt war. Da die Werk-Edition nun noch nicht so alt ist, war es ein wenig verwunderlich. Wie mir nun vom Diogenes-Verlag bestätigt wurde, liegen die Rechte am deutschsprachigen Simenon-Werk nicht mehr bei dem Zürcher Verlag und sind seit September 2016 nicht mehr lieferbar. Bei wem die Rechte nun liegen werden, kann nicht gesagt werden.
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Überraschung

Stillstand. Seit geraumer Zeit. Die Frage ist, warum? Zu viel Arbeit, zu viel unterwegs. Das ist der eine Grund. Dann die Technik. Ein versperrter Update-Pfad bei der Software, denn die „Standard-Software“ wurde von mir um viele spezielle Sachen erweitert. Die Kombination machte mich extrem faul und der Spaß ging verloren. Diesen Zustand erkläre ich hiermit offiziell für beendet ... es geht weiter. Viel Spaß mit Maigret!
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60 Jahre Diogenes

Im Jahre 1986 wurde Daniel Keel interviewt und bekam dabei, die Frage gestellt, warum sein verlegerischer Ehrgeiz darauf ausgerichtet sei, neue Autoren zu entdecken. Er antwortete daraufhin: »Im Übrigen drucke ich lieber Čechov, D. H. Lawrence und Simenon, diese alten echten Wilden, als anämische neu Möchtegerns. Das Neue ist nicht immer das Beste.« Womit er klaglos Recht hat und man sich dabei wirklich fragen muss, ob die Veröffentlichung der Werke der alten Wilden (heute) betriebswirtschaftlich wirklich sinnvoll ist oder nicht zu einem großen Teil auch literarische Liebhaberei ist. Keel veröffentlichte lieber Qualität, die sich nicht verkauft, als sich mäßig verkaufenden Krams. (Die Formulierung »Krams« stammt nicht aus dem Munde Keels.)
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Maigret-Kalender 2013

Irgendwann im Sommer, wir waren quasi in der Mitte des Jahres 2012, wurde uns vom Postboten ein Umschlag überbracht. Dieser war länglich und recht flach, womit eine Reihe von Fragen aufgeworfen wurden. Was kann das wohl sein? Um die Frage zu Lösen musste ich den Umschlag öffnen und ich hielt einen Kalender in der Hand. Der Kalender »Maigrets Paris« für das Jahr 2013. Ich schaute zu meinem Dithmarschen-Kalender, einem Geschenk, und dachte mir: »Einen guten Platz haben wir schon mal gefunden, wenn der ausgedient hat. Aber das ist ja noch lang, lang hin.«
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Erstellt: 04.10.2012

Letzte Änderung: 04.10.2012