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September 1929. Die »Ostrogoth« hat Leck geschlagen, und so sitzt Simenon in einem kleinen holländischen Ort namens Delfzijl fest. Während sein Schiff fit gemacht wird, sucht er Trost beim Genever.
(Fortsetzung)
Mitte der vierziger Jahre zog es Simenon zu dem neu gegründeten Verlag Presses de la Cité, der noch heute die französischen Rechte innehat.
Mit dem Wiederbeginn des Roman-Maigrets gab es konstant in jedem Jahr ein, zwei – in guten Jahren schon einmal drei Maigret-Bände. Kurzgeschichten entstanden in der Zeit nur noch sehr wenige.
Die ersten deutschsprachigen Maigrets erschienen kurz nach dem Krieg im Wiener Hammer-Verlag, blieben aber eine Episode. Weitere Romane aus der Maigret-Serie wurden Anfang der fünfziger Jahre im Detektiv-Club veröffentlicht.
Dafür erlangte die Figur des Kommissar Maigret einen neuen Status: Jean Gabin verkörperte ab Mitte der fünfziger Jahre den brummigen Kommissar in drei Kinofilmen und gab der literarischen Figur einen erheblichen Popularitätsschub und damit auch eine nennenswerte Bekanntheit in Deutschland. Die Rechte an Simenons Werk gingen an Kiepenheuer & Witsch, der die Romane, vorzugsweise die Maigrets, in erheblicher Zahl veröffentlichte. Es befanden sich einige namhafte Autoren unter den Übersetzern der Maigret-Ausgaben (genannt sei hier der allseits bekannte Paul Celan), die teilweise bis heute in der damaligen Fassung veröffentlicht werden.
Jean Gabin war das Entrée Maigrets in Deutschland gewesen. Der wahre Durchbruch sollte Mitte der sechziger Jahre durch das Fernsehen kommen. Das Zweite Deutsche Fernsehen hatte sich entschlossen eine englische Fernsehserie einzukaufen: »Maigret« mit dem Hauptdarsteller Rupert Davies. So versammelte sich die Fernsehnation vor dem Fernseher und sah sich den Fernseh-Referenz-Maigret an. Woche für Woche, ein ganzes Jahr lang. Nachfolger von Rupert Davies mussten sich an diesem Schauspieler und seinem Maigret messen lassen. Davon gab es einige: Gino Cervi erlangte durch einen Kinofilm Bekanntheit als Maigret in Deutschland.
Heinz Rühmann war der deutsche Kino-Maigret, fand aber in den Augen vieler Zuschauer keine Gnade.
Dann kam Jean Richard, ein Maigret-Import, und man mochte es nicht glauben, aber der Franzose fand in den Augen der Kritiker keine Gnade. Wenn man lange genug mit dem Finger auf einen zeigt, wird er schon schuldig sein. So war das Motto der Presse, die Jean Richard die Schuld an einer mittelmäßigen Maigret-Darstellung gab. Den Zuschauern waren diese Kritiken, welche Maigret auch nicht gebilligt hätte, ziemlich egal. Wie spätere Befragungen ergaben, fielen die Zuschauerbewertungen nicht blendend, aber immer noch positiv aus.
Mitte der sechziger Jahre, kurz nach der Rupert-Davies-Maigret-Ausstrahlung, wanderten die Maigrets zu Heyne und wurden mit Rupert-Davies-Covern versehen. Die Hardcover erschienen nach wie vor bei Kiepenheuer & Witsch.
1972 entsteht der letzte Maigret. Im September des gleichen Jahres entschloss sich Simenon das Schreiben aufzugeben. Damit ist »Maigret und Monsieur Charles« der letzte Maigret in einer Reihe , die 104 Titel (Erzählungen mit eingeschlossen) umfasst.
Die Zeit der Kino-Maigrets war vorbei und lebte bis zum heutigen Tag nicht wieder auf. Jean Richard drehte von 1968 bis 1989 seine Maigrets und durfte sich abschließend im Guiness-Buch der Rekorde eintragen lassen, als derjenige Darsteller, der die meisten Maigrets gedreht hat (manche, mangels Stoff, doppelt).
Unzufrieden mit seiner Vermarktung in Deutschland, wechselte Simenon 1977 den Verleger und ging von Kiepenheuer & Witsch zu Diogenes. Daniel Keel, Verleger und Simenon-Freund, machte sich daran, eine Werkausgabe zu planen, die eine fast vollständige Neuübersetzung des Werkes enthielt, von denen auch die Maigret-Romane profitierten. Die Rupert-Davies-Umschläge verschwanden, es kamen die gelb-schwarzen Maigrets mit der typischen Maigret-Silhouette von Hans Höflinger heraus.
Zum 50. Geburtstag Maigrets 1979 schrieb Simenon »seinem Kind« einen Brief nach Meung-sur-Loire und gratulierte herzlich zum Geburtstag.
Zehn Jahre später starb Simenon und viele Zeitschriften titelten vorsichtshalber: »Maigret tot«, bevor sich einer der Leser fragen konnte, wer denn dieser Simenon sei. So ist es bis heute geblieben. Bei Simenon sieht man Fragezeichen in den Augen der Leute, erwähnt man Maigret, entspannt sich das Gesicht zu einem »Aha-den-kenn-ich-Ausdruck«.
Im Jahr nach Simenons Tod übernahm Bruno Cremer den Maigret von Jean Richard und schaffte es mit einigen Folgen ins deutsche Fernsehen. Diese Ehre blieb Michael Gambon, einem weiteren Maigret-Darsteller der Neunziger versagt.
Ein Hoch erlebte Maigret in seinem vierundsiebzigsten Lebensjahr. Dies hatte er ganz und gar dem 100. Geburtstag von Simenon zu verdanken. Der Diogenes-Verlag verjüngte Maigret, indem er das Cover mit dem markanten Kopf in Rente schickte und dafür die Maigrets mit nostalgischen Schwarz-Weiß-Fotos schmücken ließ.
Unverdrossen dreht Bruno Cremer als Maigret weiter und ist auf dem besten Weg Jean Richard die Maigret-Krone zu entreißen, auch wenn man zu der kleinen Schummelei greift und so manche Non-Maigret-Erzählung zu einer Maigret-Geschichte macht.
Auch wenn er weitestgehend aus der Presse verschwunden ist (wobei er als Sinnbild für Belgien, Paris und einen verbeamteten Ermittler immer noch herhalten muss) und nur selten auf der Mattscheibe auftaucht, hat er ein eigenes, kleines Domizil gefunden: EBay. Es mag ein deutschsprachiges Phänomen sein, aber Maigret wird immer noch gern gehandelt und so mancher hat einen Traumpreis als Verkäufer erzielt. Das mag nicht viel heißen, aber immerhin soviel: Maigret kommt in die Jahre, aber er lebt!
Die Fakten
Kommissar Maigret? Ja, schon mal gehört. Aber gelesen? Nein. Schade eigentlich. Hier soll Appetit gemacht werden und ein kleiner Einblick in das Maigret-Universum gewährt werden.
Die Geschichte der Maigret-Romane
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Erstellt: 06.12.2007
Letzte Änderung: 30.04.2009
Die Ursuppe
Es war keine leichte Geburt, dieser Maigret. Staatliche Ausmaße erfolgen hohen Einsatz. Ganz so, wie Simenon es später schilderte, ist der Kommissar wohl nicht geboren worden. Uns ist es egal, Hauptsache er ist gesund und hat sich prächtig entwickelt.