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Das schleichende Ende

Dem ersten (offiziellen) Maigret folgten eine ganze Reihe von Maigrets, denen man erfreulicherweise eine steigende Qualität bescheinigen konnte. Allerdings war nach drei Jahren schon wieder Schluss. Aber nur so halb.

Erst konnten die Verleger sich nicht für Simenons Maigret erwärmen, dann, als Maigret ein Renner wurde, war es Simenon, der sein Interesse an Maigret verlor oder das Gefühl hatte, dass ihn der Kommissar über den Kopf wuchs. Er plante das Ende mit einem finalen Roman mit dem Namen »Maigret«. Im Deutschen kommt das nicht so zur Geltung, da die Romane immer einen »Maigret und ...« tragen. Im Französischen tauchte aber bis zu diesem finalen Roman der Name Maigret in den Titeln der Romane gar nicht auf. Hierzulande ist dieser eigentlich Schlusspunkt unter dem Namen »Maigret und sein Neffe« zu haben.

Die Qualität der Romane war stetig am wachsen. Wie schon erwähnt, ist der Maigret-Erstling »Maigret und Pietr der Lette« im gesamten Kontext nicht gerade von beeindruckender Qualität. (Verglichen, mit dem was vorher Simenon geschrieben wurde, sieht es gewiss anders aus - übrigens gibt es keine Pläne, diese Pre-Maigret in deutscher Sprache zu veröffentlichen. Das deutsch lesende Publikation wird sich also absehbare Zeit kein Urteil darüber erlauben dürfen, sondern sollte bei besonders großem Interesse französisch lernen.) Auch dem zweiten Roman »Maigret und der verstorbene Monsieur Gallet« und dem ebenfalls auswärtig spielendem Roman »Maigret und der Treidler der Providence« sind seine Ecken und Kanten anzumerken.

Ein erster Höhepunkt in der Maigret-Reihe ist der Roman »Maigret und der Gehängte von Saint-Pholien«. Wie in vielen der ersten Romane ermittelt der Kommissar nicht in Paris sondern treibt sich herum. Sein Weg führt ihn nach Bremen und Lüttich, und er arbeitet dabei einen Fall auf, der Simenon in seiner Lütticher Jugend tangierte. Dabei geht es um den Tod eines jungen Mannes, der sich an der Tür eines Kirchenportals aufhängt. Simenon konstruiert um diesen Fall eine Erpessungsgeschichte, die ihr schlimmes Ende in Bremen nimmt - und das quasi im Beisein von Maigret. Die Geschichte war damit von Simenon übrigens noch nicht endgültig aufgearbeitet, auch in dem Roman »Die Verbrechen meiner Freunde« wird das Thema um den Gehängten noch einmal thematisiert. In diesem Roman treten die autobiographischen Züge wesentlich deutlicher zu Tage.

Ebenfalls höchster Wertschätzung dürfte sich der Roman »Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes« schätzen. Hat Maigret schon in dem Saint-Pholien-Roman seine Kompetenzen klar überschritten, in dem er einem Verdächtigen durch zwei Länder folgt, in denen er überhaupt keine Kompetenzen hat und er auch keinen Auftrag hat, diesen Verdächtigen zu verfolgen. Zwar hat er in »Maigret kämpft um den Kopf eines Mannes« die Rückendeckung eines Untersuchungsrichters, aber ob ihm das hilft, wenn herausgekommen wäre, dass er es war, der einem zum Tode verurteilten zu Flucht verholfen hat. Denn der Mann mochte verurteilt sein, aber Maigret glaubte nicht an die Schuld. Ein ähnliches Thema ist ein wenig später in einem Maigret wieder zu finden. In »Maigret und die kleline Landkneipe« spricht der Kommissar zu Beginn des Romans mit einem Todeskandidaten, dem kurze Zeit die Nachricht überbracht wird, dass seine Hinrichtung unmittelbar bevorsteht. Er gibt, ohne wirklich denunzieren zu wollen, dem Kommissar mit auf den Weg, dass er einmal ein Verbrechen beobachtet hatte - und ein gewisser Rache-Gedanke war schon mit dabei, sowohl gegenüber dem anderen Verbrecher wie auch Maigret. Denn die Fakten, mit denen der Unglückliche herausrückt, sind recht dürftig. Aber durch einen dummen Zufall wird Maigrets Interesse geweckt und er rollt diesen Fall auf. Diese beiden Maigrets sind aufgrund ihrer Story und der atmosphärischen Dichte sei Romane, die man immer wieder gern hervor holt und liest.

»Maigrets Nacht an der Kreuzung«, chronologisch zwischen den beiden vorher genannten Romanen entstanden, ist dagegen ein Roman, der zwar ein recht putzige Grundidee hat, aber zum ich nicht unbedingt immer wieder greifen muss. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass die Figuren untypischerweise nicht besonders glaubwürdig wirken.

In »Maigret und die Affäre Saint-Fiacre« kehrt Maigret an seinen Geburtsort zurück. Die Gutsherrin ist auf hinterhältige Art und Weise in den Tod getrieben worden und Maigret macht sich auf den Weg, um die Hintermänner des Todes zu entlarven. Eine Reise, die ihn zurück in die Vergangenheit führt. Gut zu lesen sind auch die folgenden Romane »Maigret und der Verrückte von Bergerac« (in dem Maigret selbst ein Mordverdächtiger ist) und »Maigret in der Liberty Bar« (in der es Maigret das erste Mal ans Mittelmeer zieht und er Antibes, Cannes und Nizza geniest).

Ein wenig holpriger geht es da schon in »Maigret in Nöten« zu, in dem sich Simenon anschickt, den Kommissar ein erstes Mal in Rente zu schicken. Maigret steht unmittelbar vor der Pensionierung und soll einen merkwürdigen Todesfall aufklären. Mehr im Weg als zur Zeit steht ihm dabei ein wichtiger Pariser Reeder, der Maigret davon überzeugen will, dass sie sich ähnlicher sind als der Kommissar zugeben möchte und der unumwunden versucht, die Gunst des Kommissars zu kaufen.

Im finalen Krimi der ersten Session (wie man es heute nennen würde), ist Maigret schon in Pension und wird nur wieder aktiv, weil ihn sein Neffe bittet, ihm aus der Patsche zu helfen. Kein besonders großartiger Abschluss, aber der Kommissar kam ja wieder.

 

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Meinungen

Artikelhistorie

Kleine Maigrets

Lang dauerte Abschied von Kommissar Maigret nicht. Mitte der dreißiger Jahre kehrte Simenon zu seinem Kommissar zurück und machte ihn in Kurzgeschichten zum Schnell-Ermittler. Der Kommissar bereitete sein Comeback vor.

Die große Zeit

Die Kurzgeschichten waren nur ein Zwischenspiel, Fingerübungen für Simenon. Anfang der 40er Jahre kehrte Maigret zurück und sollte gedeihen. Er gewann an Format und Erfahrung. Simenons Anfängerfehler, wenn man sie so nennen will, sind in diesen Romanen nicht zu finden.

Ausklang

Gold war damals auch Gold, aber im Fernsehen halt noch schwarz-weiß. Maigret trat von der großen Leinwand, auf der er meisterhaft von Jean Gabin verkörpert wurde, in die kleine Kiste und mit dieser wurde Rupert Davies zum Sinnbild für Maigret. Zumindest für die Engländer und Deutschen.

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Erstellt: 25.09.2008

Letzte Änderung: 25.09.2008