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Was nützt der berufliche Erfolg, wenn das Privatleben keine Erfüllung bringt: die Frau war Weg, geblieben war nur Hass, der in der Öffentlichkeit ausgetragen wurde; die Tochter liebte einen abgöttisch und verursachte damit neue Probleme. Der Maigret-Autor schien irgendwie merkwürdig zu sein.
(Fortsetzung)
Seit Mitte der siebziger Jahre verfasste Simenon seine Diktate, die so heißen, weil er sie auf ein Tonband diktierte. Es kamen 21 Bände zusammen, von denen in Deutschland gerade mal ein veröffentlicht wurde. (Der Verlag und der Verleger sind der Meinung, das würde reichen.)
In seinem Tagebuch (»Als ich alt war«) schrieb Simenon, dass frühere autobiographische Berichte ungenau gewesen wären. In den Diktaten wurde dann behauptet, auch sein Tagebuch wäre ungenau gewesen. Schuld daran gab er Denyse, die auf den »Fälschungen« bestanden hätte. Das kann man als weiteren Seitenhieb verstehen. Simenons Aussagen sind aber auch nicht die absolute Wahrheit und sollten mit gewisser Vorsicht genossen werden.
Mit 74 Jahren schaffte es Simenon noch einmal in die Schlagzeilen. Er sollte ein Interview mit seinem Freund Fellini führen und so dessen neuen Film »Casanova« promoten. Eine einziger Abschnitt in diesem Interview zog sämtliche Aufmerksamkeit von Fellini ab und zu Simenon hin. Denn Simenon behauptete - wie nebenbei - dass er in seinem Leben mit 10.000 Frauen geschlafen hätte. Und dazu würde er auch die 8.000 Prostituierten zählen. Diese Zahlen scheinen heute noch unzählige Menschen zu beschäftigen, aber Dank Viagra (einfach mal in die Inbox gucken), kann man an diesem Ziel bis ins hohe Alter arbeiten. Denyse zählte daraufhin auch noch einmal nach und kam nur auf 1.200. (Zur Erinnerung: Entgegen den langläufigen Angaben, mit denen geprahlt wird, gibt sich der Durchschnitt mit drei bis vier Sexual-Partnern im Leben zufrieden. Und: Mir ist ein Rätsel, wie Denyse das nachzählen konnte.)
Im April 1978 veröffentlichte Denyse ihren Ehebericht »Un oiseau pour le chat«. Sie stellte das Buch im französischen Fernsehen vor, was auch Marie-Jo verfolgte. Wenn es jemanden gab, der als Dritter unter dem Rosenkrieg der Simenons litt, so war es Marie-Jo. Sie liebte ihren Vater abgöttisch. Will man Marnham glauben schenken, so war der größte Knackpunkt noch nicht einmal die Trennung der Eltern (sie verstand sich mit beiden Elternteilen gut), sondern die Tatsache, dass Teresa an die Stelle ihrer Mutter trat. Simenon schrieb der Oberschwester des Altersheims seiner Mutter, er könne nicht kommen, da sich seine Tochter gerade in psychiatrischer Behandlung befände und er deshalb die Schweiz nicht verlassen wolle.
Am 20. Mai 1978 sollte der siebte Selbstmordversuch Marie-Jo gelingen. Beide Elternteile wussten, dass sie an diesem Tod Mitschuld trugen. Aber das Innehalten trug nur kurz - kurze Zeit später war das Paar schon wieder damit beschäftigt, sich gegenseitig zu behaken.
Die große Abrechnung Simenons fand mit den »Intimen Memoiren« statt, das letzte Buch, das Simenon schrieb. Statt mit der Schreibmaschine hat er die tausend Seiten ganz wie am Anfang seiner Karriere mit der Hand geschrieben. Ein Verkaufsknüller sollte diese Lebensbeichte nicht werden.
1984 unterzog sich Simenon einer Gehirnoperation. Sein letztes Jahr verbrachte er nur noch im Rollstuhl.
»Ich glaube, ich werde nun endlich schlafen können.« Nach einem Sturz aus seinem Bett verstirbt Georges Simenon am 4. September 1989 in den Armen von Teresa.
Nachgelesen
Sie wollen mehr über Georges Simenon wissen? Dann lohnt sich vielleicht ein Blick in die Biographien, die über den Schriftsteller erschienen sind?
Jugend- und Flegeljahre
Französische Jahre
Die amerikanischen Jahre
Die späten Jahre
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Erstellt: 17.12.2008
Letzte Änderung: 17.12.2008
Wie zwei Fremde
Freunde kann man sich aussuchen, Verwandte nicht. Von seinem Ehepartner kann man sich scheiden lassen, die Verwandten bleiben einem erhalten. Darüber war schon so manch einer unglücklich. Simenon verehrte seinen Vater, zu seiner Mutter hatte er allerdings ein sehr zwiespältiges Verhältnis.
Brief an meine Mutter
Für diese Seite sind diese Tage Gold wert. Wann werden solche Tage wiederkommen? Zum 125. Geburtstag, zum 25. Todestag? Um mit einer typischen Floskel zu antworten, die Simenon in seinem Brief an seine Mutter immer wieder verwendet hat: »Ich weiß es nicht.« Es wäre schön, wenn es so bliebe und man weiterhin über die Kleinigkeiten, die das Leben eines Simenon-Freundes beschäftigen können, berichten kann. Möglichst viel.
Fortsetzung der Krise
Simenon suchte Wege, seine Frau aufzuheitern. Eine Chance sah er in der Rückkehr nach Europa, aber es wurde nicht besser sondern immer schlimmer. So begann sich bedingungslose Liebe in bedingungslosen Hass zu wandeln. Interessanterweise merkte man es den Romanen nicht an.