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La Femme en France

imageMan kann einfach nicht immer rechtzeitig kommen. Zum Beispiel im Falle von Daniel Frasnay. Das der gute Mann etwas mit Simenon zu tun hatte, war mir schon lange bekannt, aber manches schiebt man immer vor sich hin und denkt sich, das kann man immer noch mal machen. Dagegen sollten zwei Punkte sprechen: zum einen werden Sachen, die selten sind, mit der Zeit noch seltener und in der Regel damit auch noch teurer; zum anderen verliert man sie aus dem Blickfeld und verpasst damit das eine und andere. Im Falle von Frasnay ist dies eine Ausstellung die in diesem Frühjahr in Deutschland stattfand und sich um Frasnay-Fotografien drehte.

Frasnay, mittlerweile 77 Jahre alt, ist Fotograf. Schon in den vierziger Jahren fing er an zu fotografieren. Schlug er sich im Kriege noch mit Diebstählen über die Runde, organisierte er nach dem Krieg, im Alter von siebzehn Jahren, seine erste Ausstellung in einem Pariser Fotostudio. Er arbeitet hart an sich und seinen Fotografien, wird bald Hausfotograf des Lido, Begleiter der Stars und Sternchen der Pariser Szene. Seine Fotografien leben nicht nur vom Augenblick, sie werden von Frasnay retuschiert und gewinnen deshalb manchmal erst deshalb.

Vielleicht ist es der Ruf gewesen, der ihn in die Arme von Simenon trieb, vielleicht auch die stimmungsvollen Bilder von Paris. Auf jeden Fall kam es Ende der fünfziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts zu einer Zusammenarbeit zwischen Simenon und dem jungen Fotografen. Das Buch, damals in zwei Sprachen erschienen – holländisch und französisch – hatte ein Thema, das Simenon Zeit seines Lebens sehr beschäftigte: Frauen. Unter dem Titel »La femme en France« erschien es 1959 in beiden Ländern. Die französische Ausgabe, die diesem Bericht zugrunde liegt, ist 1959 erschienen und wurde vom Verlag Presses de la Cité herausgegeben, gedruckt wurde das Buch in Holland (Utrecht). Diese Hardcover-Ausgabe umfasst 128 Seiten und sämtliche Fotografien sind schwarz-weiß.

Auf den 128 Seiten kann man ein originales Abbild der fünfziger Jahre entdecken, in dessen Fokus die Frau steht. Von Kindern bis hin zur alten Frau, nicht immer suchte sich der Fotograf das Schöne aus. Es gibt Bilder von Bäuerinnen, von Fabrikarbeiterinnen, Fischerinnen und Korbflechterinnen. Natürlich darf auch nicht die schöne Seite des Frauseins fehlen: Frauen auf Rennbahnen, beim Friseur und Modeschauen. Es überwiegt, wie im wahren Leben, die einfache Frau. Bei der Arbeit und, für die fünfziger Jahre sicher noch ein wichtiger Bestandteil, in der Kirche. Die meisten Frauen schauen nicht in die Kamera, scheinen in ihre augenblickliche Tätigkeit vertieft, wirken manchmal abwesend. Höhepunkte sind aber die Bilder, in denen es Frasnay schafft, die Frau in ihrer städtischen oder landschaftlichen Umgebung darzustellen, zum Beispiel im Paris der fünfziger Jahre oder in Trachtenkleidung irgendwo auf dem Dorf. Die Bilder sind durchgehend beschriftet und erklärt.

Der Text zu dem Buch, und dabei kann man nicht von einer kleinen Einleitung sprechen, stammt von Georges Simenon. Er begleitet mit seinem Text durch das ganze Buch und erzählt über die französische Frau.

Das Buch ist heute nur noch antiquarisch zu beziehen. Die Preise, die ich in der letzten Zeit beobachtet habe, bewegen sich zwischen 30 und 40 Euro; die holländische Ausgabe ist häufig günstiger als die französische.

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Transformation

Seit einigen Wochen arbeite ich an einem neuen Erscheinungsbild und neuen Inhalten. Weshalb und warum, das habe ich etwas ausführlicher hier aufgeschrieben. Dort und auf dem Twitter-Account @maigret_de gibt es auch neue Informationen rund um Maigret und Simenon. Hier bleibt bis zur Neu-Veröffentlichung erst einmal alles so, wie es ist.
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Abschied

In der letzten Zeit gab es Hinweise, dass es um die Lieferbarkeit von Simenon-Romanen nicht zum Besten bestellt war. Da die Werk-Edition nun noch nicht so alt ist, war es ein wenig verwunderlich. Wie mir nun vom Diogenes-Verlag bestätigt wurde, liegen die Rechte am deutschsprachigen Simenon-Werk nicht mehr bei dem Zürcher Verlag und sind seit September 2016 nicht mehr lieferbar. Bei wem die Rechte nun liegen werden, kann nicht gesagt werden.
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Überraschung

Stillstand. Seit geraumer Zeit. Die Frage ist, warum? Zu viel Arbeit, zu viel unterwegs. Das ist der eine Grund. Dann die Technik. Ein versperrter Update-Pfad bei der Software, denn die „Standard-Software“ wurde von mir um viele spezielle Sachen erweitert. Die Kombination machte mich extrem faul und der Spaß ging verloren. Diesen Zustand erkläre ich hiermit offiziell für beendet ... es geht weiter. Viel Spaß mit Maigret!
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Die Musik Maigrets

Da können einem die Ohren klingeln! In den letzten Jahren gab es immer mal wieder Veröffentlichungen von Musik, die in Maigret-Filmen - sei es den Kino-Produktionen wie auch den Serien - veröffentlicht wurden. Bisher wurde aber, nach meiner Erinnerung, nur einmal eine Frage zur Musik an mich herangetragen und dabei ging es um ein Geburtstagsgeschenk. Zeit, sich mal um dieses Thema zu kümmern...
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60 Jahre Diogenes

Im Jahre 1986 wurde Daniel Keel interviewt und bekam dabei, die Frage gestellt, warum sein verlegerischer Ehrgeiz darauf ausgerichtet sei, neue Autoren zu entdecken. Er antwortete daraufhin: »Im Übrigen drucke ich lieber Čechov, D. H. Lawrence und Simenon, diese alten echten Wilden, als anämische neu Möchtegerns. Das Neue ist nicht immer das Beste.« Womit er klaglos Recht hat und man sich dabei wirklich fragen muss, ob die Veröffentlichung der Werke der alten Wilden (heute) betriebswirtschaftlich wirklich sinnvoll ist oder nicht zu einem großen Teil auch literarische Liebhaberei ist. Keel veröffentlichte lieber Qualität, die sich nicht verkauft, als sich mäßig verkaufenden Krams. (Die Formulierung »Krams« stammt nicht aus dem Munde Keels.)
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Meinungen

Artikelhistorie

Zufall

Vielleicht erinnert sich noch jemand an das Buch »La femme en france«. Simenon schrieb zu diesem Band, der nur auf französisch und holländisch erschienen ist, den Text.

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Erstellt: 05.09.2004

Letzte Änderung: 29.05.2009