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Aufgefrischt

Neulich kam da so eine Anfrage rein, in der sich erkundigt wurde, ob die Übersetzungen von »Maigret und der Clochard« originalgetreu wären. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich dies nicht wüsste, aber mir sicher wäre, dass man mit den neueren Ausgaben besser fahren würde als mit den alten. Das war Spekulation, denn wie ich lernte, sind Übersetzungen Kinder ihrer Zeit.

Das erwähnte ein Freund vor Kurzem schon mal, was ich aber mehr zur Kenntnis nahm, denn wirklich verinnerlichte. Nun ist ja Buchmesse und ich schneite gestern da mal rein, einfach auch, um auf dem Diogenes-Stand Hallo zu sagen, mich zu bedanken, dafür dass die Informationsbereitstellung so gut funktioniert. Im Gespräch über die Werkausgabe wurde ich gefragt, wie ich denn die neue Non-Maigret-Ausgabe finde. Ganz ehrlich? Ich konnte dazu kein Statement abgeben und die Irritation war meinem Gesicht wohl anzusehen. Man habe die Sprache knackiger und moderner machen wollen, hieß es sinngemäß; mehr als ein »Aha« und die Entschuldigung, dass ich mich immer gut an die Handlung erinnern könne, aber die Sprache selten vergleiche.

Also: Gestern Abend habe ich gleich eine brandneue Ausgabe hervor geholt und eine alte hervorgekramt. Meine Wahl viel auf »Der Uhrmacher von Everton«, bei die alte Ausgabe auf Anfang der neunziger Jahre datiert werden kann. Beide Übersetzungen stammen von Ursula Vogel.

Hier Beispiele von den ersten drei Seiten:

19912012
..., wäre eine Ahnung in ihm aufgestiegen, ... ..., wenn eine Ahnung in ihm aufgestiegen wäre, ...
..., dass er ihrer kaum gewahr wurde ... ..., dass er sie nicht bewusst wahrnahm ...
..., der es übel vermerken könnte, ... ..., der es ungern sah, ...
... sein Schaufenster aufsperrte ... ... sein Schaufenster öffnete ...
... kostete nicht ganz hundert Dollar, ... ... kostete fast hundert Dollar, ...
Die Sonne stand noch recht hoch am samtig blauen Himmel, ... Die Sonne stand noch recht hoch am zart-blauen Himmel, ...
Er aß dann wohl irgendwo, höchstwahrscheinlich im »Mack’s Lunch«, ein Hot dog oder ein Sandwich. Er aß dann wohl irgendwo ein Hotdog oder ein Sandwich, höchstwahrscheinlich im »Mack’s Lunch«.

Die aufgelisteten Änderungen machen den Text moderner. Keiner benutzt heute im täglichen Umgang noch »gewahr werden«, wenn man es nicht auf Teufel komm raus darauf anlegt, eine sehr vornehme oder gewählte Sprache zu nehmen. Natürlich kann ich ein Fenster noch aufsperren, aber das macht man heute doch mehr mit Türen und Pforten, wenn überhaupt.

Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass »übel vermerken« ein Ausdruck ist, der mehr aussagt als »ungern sehen«. Letzteres hat etwas wie »gesehen und vergessen«, während der alte Begriff ein Touch nachtragender wirkt.

Der Lesbarkeit ist diese Auffrischung ganz sicher dienlich.

Ganz am Rande: Wer Übersetzungen für den Fremdsprachenunterricht als Stütze heranzieht, der sollte aber verdammt aufpassen, dass er sich vom Lehrer nicht auf das Wort festnageln lässt. Das kann ordentlich daneben gehen, wie die Beispiele zeigen…

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