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[Gemeinsam lesen] Maigret und der Minister
Geschrieben: 11. Juli 2006, 21:11 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 8 ]
Administrator
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Da kann ich ja mal richtig auftrumpfen wink

Wenn mich nicht alles täuscht spielt diese Suspendierung in »Maigret und der gelbe Hund« eine Rolle, denn Maigret ist recht schnell zur Stelle und damit auch indirekt in »Maigret im Haus des Richters« (aber nur sehr indirekt). Aber ob in dem Roman so detailliert auf die Affäre eingegangen wird, weiß ich nicht. An anderer Stelle, frag mich aber nicht wo, ist von dem Unbehagen Maigrets die Rede, die er in der Provinz empfunden hatte. Vielleicht ja in den Memoiren?

Ich wäre aber auch auf diese Tatsache zu sprechen gekommen.

Auffallend fand ich das Verhalten Points gegenüber dem Ministerpräsidenten: Den spricht er nämlich immer mit »verehrter Herr Ministerpräsident« an. Nur einmal vergisst er es, und ist darüber sehr irritiert. Maigret dagegen ist ein ganz anderer Typ: von »verehrt« keine Spur.

Den Roman habe ich schon mal gelesen, weiß aber nicht mehr, wie es ausgehen wird. Auch gut so.

Oliver

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Geschrieben: 11. Juli 2006, 21:34 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 9 ]
Polizeihauptmeister
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Auffallend fand ich das Verhalten Points gegenüber dem Ministerpräsidenten

Das Telefonat ist wirklich markant. Der Minister büsst gegenüber dem aalglatten Politiker gleich seine ganze Souveränität ein. Sprachlich scheint er ihm keineswegs gewachsen und der Ministerpräsident setzt ihn gleich ordentlich unter Druck.

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Geschrieben: 11. Juli 2006, 21:43 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 10 ]
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Mir fiel noch etwas auf, was genauso interessant wie unlogisch ist:

Ich hatte gestern erwähnt, dass Points Rolle während der Besatzung der Vendée hervorgehoben wurde. Die Vendée liegt schon ziemlich im Süden, wird also während des ersten Weltkrieges kaum besetzt gewesen sein. Also wird es der zweite Weltkrieg gewesen sein. Vom Ministerpräsidenten heißt es, dass er schon seit seinem vierzigsten Lebensjahr jedem Kabinett angehörte. Hmm, macht ihn das nicht ziemlich suspekt - oder ist Simenon da irgendwie etwas durchgerutscht. Denn hat er im französischen Vichy-Kabinett gesessen, dann wird er kein besonders hohes Ansehen in der Nachkriegs-Zeit genossen haben (geschweige anschließend noch den Posten des Ministerpräsidenten bekommen).

Er könnte natürlich auch in der Exilregierung mitgewirkt haben - aber hätte Simenon vergessen das zu erwähnen. (Ja, würde ich sagen.)


Oliver

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Geschrieben: 12. Juli 2006, 14:51 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 11 ]
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Ich finde die Kapitel 2 und 3 spannend. Man darf nicht zu anspruchsvoll sein - Simenon beschreibt einfach, knapp – Kriminalliteratur halt, die ja so etwas wie Märchen für Erwachsene sein sollen…

Kapitel 2:
Aufgefallen ist mir, wie offen Maigret mit dem Minister spricht: “Sie rufen ihn an, vermute ich. Spätestens morgen früh müssen Sie ihm ja doch gestehen, dass Sie den Bericht nicht mehr haben…”. Hier spricht der Arzt mit seinem Patienten Klartext.

Am Schluss des Kapitels habe ich eine wunderbare, relativierende Stelle gefunden: “Es war fast seltsam: hier in der vertrauten, fast greifbaren Atmosphäre seiner Wohnung reizte das Wort Calame-Bericht geradezu zum Lachen… Vor einer halben Stunde am Boulevard Pasteur klang diese Wort dramatisch.” Auf diese Stelle habe ich gewartet – die beiden Männer waren mir bisher ein bisschen zu ernst.

Kapitel 3:
Hier ist mir vor allem die Schilderung des kauzigen Piquemal aufgefallen – und natürlich die Vertrautheit Maigrets (Simenons?!) mit Piquemals Interessen. Da bin ich aber mal gespannt, ob Piquemal zu den Guten oder Bösen gehört!

Aus Bern, Guillaume/Willi

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Geschrieben: 13. Juli 2006, 17:27 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 12 ]
Polizeihauptmeister
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Salut

Leider muss ich mich ausklinken, da ich im Moment aus beruflichen Gründen weder zum Lesen noch zum Schreiben komme confused

Ich hoffe, beim nächsten gemeinsamen Lesen mitmachen zu können.

Sorry und schönen Abend
Peter

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Geschrieben: 13. Juli 2006, 19:43 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 13 ]
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Jetzt kommt ja richtig Humor auf! Die ersten drei Kapitel waren bierernst. Die Katastrophe von Point wird einem vor Augen geführt, der Minister ein toternster Mann. Maigret schickt seine Mannen los und die kommen zurück und müssen feststellen, dass sie

a) nicht die ersten waren, die sich bei den Adressen gemeldet haben, die sie besuchen sollten
und
b) nicht die Einzigen waren, die Observationsversuche unternahmen.

Und dann war da noch die Geschichte mit dem Gedächtnis: Schon komisch, wenn sich ein Polizist als Versicherungsvertreter vorstellt und die Concierge wie nebenbei erwähnt, dass das ja nicht sein könne, denn er wäre ja schon mal mit dem “Dicken” da gewesen, als sich jemand im Hause das Leben genommen habe. Peinlich, peinlich.

Lucas dagegen zeigt Emotionen, die als Groll gegen Maigret zu deuten sind. Auch eine Premiere, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Denn Lucas ist der Loyalste von allen. Aber jetzt hatte ihn Maigret, wie die anderen auch, auf die Straße geschickt, ohne ihnen Hintergründe zu nennen. Was mir nicht ganz passte, dass Maigret sich verschanzte: Er sagt, dass sie soviel wie möglich herausbekommen sollten, wenn sie erwischt würden, müssten sie allein damit fertig werden. Wäre es nicht korrekter, die Verantwortung zu übernehmen - schließlich hat er den Auftrag von Point angenommen, nicht seine Mitarbeiter?

Die langen Gespräche wurden mit Kapitel 3 wohl erst einmal abgeschlossen, mit Kapitel 4 beginnt sich ordentlich was zu bewegen: Sei es durch das Verschwinden des Hausmeisters, sei es durch die Flucht des Bauunternehmers.

Hätte ich fast vergessen: Der Richter aus der Vendée ist auch mit von der Partie, auch wenn nur am Telefon. Der Mann, der so wenig zu tun hat, dass er große Teile seines Vormittags mit Spazierengehen verbringt. So einen Job hätte ich auch gern.

Oliver

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Geschrieben: 13. Juli 2006, 21:12 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 14 ]
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Kapitel 4:
Auffallend finde ich, dass der Personenkreis für einen Maigret-Roman doch recht gross ist - oder täusche ich mich?

Ueberrascht bin ich über den unsoliden Jacques Fleury, der sich als “Faules Ei” für den Muster-Minister herausstellen könnte/wird?

Dankbar bin ich Simenon für die Zusammenfassung auf der viertletzten Seite des vierten Kapitels. Ich kann mir solche Sachen/Details schlecht merken, mache mir dort jeweils ein Eselsohr und kann dann immer wieder nachschauen, wie es genau abgelaufen ist…

Ueber Maigrets Launigkeit seiner Frau gegenüber will ich mich nicht äussern – ich bin manchmal nicht besser…

Einen schönen Abend wünscht Guillaume/Willi

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