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[Gemeinsam lesen] Maigret und der Minister
Geschrieben: 13. Juli 2006, 21:59 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 15 ]
Polizeihauptmeister
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Bei mir gehts jetzt in den Urlaub und ich muss mich leider auch ausklinken. Ich werde die Geschichte nach dem Urlaub fertig lesen und mich dann wieder hier melden.

Viel Spass und bis die Tage,

Michael

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Geschrieben: 14. Juli 2006, 22:10 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 16 ]
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Kapitel 5:
Auch hier wird glaubwürdig beschrieben, wie einsam die Machtträger sind (da kommt mir auch Simenons Buch “Der Präsident” in den Sinn). Point gehört zwar zu den eher Mitteilungsbedürftigeren, weshalb er sich wohl auch so an Maigret hält.
Ein bisschen störend wirkt, dass Simenon bei jeder Gelegenheit darauf hinweist, wie zuwider dem Minister Wohnung, Amt, Politik – einfach alles – ist.
Auch die Leier, dass Ethik und Politik schwierig zu vereinbaren seien, wirkt ein bisschen abgedroschen. Die Wirkung beim Leser ist eher Verständnis als Abscheu – getreu dem Maigretschen Motto: Verstehen und nicht…
Maigret bleibt sich treu, redet mit dem Minister Klartext und flüchtet sich in sein Stamm-Gebiet: der Recherche vor Ort bei den einfachen Leuten. Hier hat er Erfahrung, hier funktioniert sein “Riecher”: “Hier, wo es die vertrautet Arbeit zu leisten galt, fühlte sich Maigret wieder sicherer.” heisst es am Schluss des Kapitels.

Aus Bern, Guillaume/Willi

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Geschrieben: 15. Juli 2006, 08:52 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 17 ]
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Kapitel 6:
Bevor die Knochenarbeit beginnt, philosophiert Maigret bei einem Glas Pernod über den (un)gewöhnlichen Verlauf einer Untersuchung.

Dazu gehört auch, dass er irgendwann seiner “Lust” nachgeht und - in diesem Fall - zum Showdown mit Mascoulin im “Filet de Sole” antritt.
Ist der Affront Mascoulin gegenüber wirklich nötig gewesen, fragt sich der Leser und hofft, dass sich Maigret nicht selbst damit geschadet hat.
Oder ist es eine Provokation nach dem Muster von Inspektor Columbo, um den vor Selbstsicherheit strotzenden zu verunsichern?

Wie schon das erste Kapitel, so endet auch das sechste mit einem Griff zum Alkohol:
“emotional überfordert” merkt erst Sekunden später, was er eigentlich macht(e).

Aus Bern, Guillaume/Willi

Auch ich verlasse unsere “Gemeinsam-lesen-Aktion”, da wir heute ins Unterengadin in die Wanderferien fahren.

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Geschrieben: 23. Juli 2006, 11:50 Uhr   [ Ignorieren ]   [ # 18 ]
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Kapitel 7 bis 9:
Ich habe (nach den Wanderferien) die Lektüre wieder aufgenommen und einmal mehr sagen müssen: der Leser, der nicht analysiert ist der “bessere” Leser als derjenige, der “zu genau/bewusst” liest. Also habe ich beim Lesen der letzten drei Kapitel in meinem Kopf einfach Bilder entstehen lassen: Das erste Bild kam gleich zu Beginn des 7. Kapitels: “…schob den Hut in den Nacken” – gibt es nicht von Jean Gabin ein solches Bild?
Zwischendurch musste ich aber auch den Kopf schütteln: Maigret ist auf wohlgesinnte Leser angewiesen… sonst wird er unglaubwürdig, etwa beim schlechtem Gewissen der Buchhaltung gegenüber (Seite 177 oben in der 1978-Diogenes-Ausgabe)…
Auch bei Fleurys Rolle wird der Leser nachdenklich: War er wirklich so naiv, dass er sich den Konsequenzen (die ihn die Stelle kosten würden) nicht bewusst war? Ein Generalsekretär “…der sich nur durch die Macht der Gewohnheit aufrecht erhält.” Da ist nur der Minister noch naiver, der einen solchen Generalsekretär duldet.
Auch Dialoge, wie derjenige mit dem Kellner der Brasserie Dauphine (“Brauche ich Ihnen die Brötchen und das Bier, die Monsieur Lapointe bestellt hat, nicht mehr ins Büro zu bringen?”) muss man mögen - oder man nervt sich… Oder diese Stelle: “Haben Sie nicht anderthalb Kilometer von hier einen Steinbruch gesehen?” – “Nein.” – “Nun, im Dunkeln sieht man den nicht.”
Kann mir jemand erklären, weshalb der “Fanatiker” Piquemal freiwillig mit dem windigen Benoit gegangen ist?
Wie wird Mascoulin der Oeffentlichkeit erklären, dass er in den Besitz der Kopie des Berichts gekommen ist?
Nächstes Mal werde ich einen Maigret wieder unkritischer lesen…
Aus der Schweiz grüsst, Guillaume/Willi

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