Etwas martialisch klingen die letzten beiden Titel schon: »Der Kahn mit den beiden Erhängten« und »Das Wirtshaus zu den Ertrunkenen«. Erinnert einen mehr an E.A. Poe oder E. Wallace als eine Simenonsche Maigret-Erzählung. Auch hier beginnt die Geschichte mit einem Hilferuf. Diesmal erhört von einem Wirt, ausgestoßen von einem Lastkraftwagenfahrer. Letzterer erzählt, er habe auf einer Brücke mit seinem Zehntonner einen unbeleuchteten Wagen gerammt und dieser sei in den Fluss gestürzt. Als der Wagen in den Fluss gerollt sei, habe er Hilferufe vernommen.
Kurze Zeit später steht Maigret, der zufällig in der Gegend weilt, am Fluss und starrt mit Dutzenden von Polizisten in das dunkle Gebrodel des Flusses, ohne etwas Menschliches oder Autohaftes zu erkennen. An dem Abend ließ sich nichts tun, am nächsten Morgen wird der Wagen mit Hilfe von Tauchern geborgen.
Der Taucher kam endlich an die Oberfläche, und man beeilte sich, ihm den großen kupfernen Taucherhelm abzuschrauben.
»Wir können anfangen«, verkündete er. »Der Wagen hängt fest am Kran.«
Auf der Straße hupten Autos zum Zeichen, dass die Fahrer nicht wussten, was die Menschenansammlung hier zu bedeuten hatte. An den Autofenstern kamen Köpfe zum Vorschein.
Maigret ist geduldig. Dem herausgehobenen Wagen sieht man deutlich die Spuren des Unfalls an. Am Armaturenbrett des Wagens stand der Name des Besitzers und der Hauptmann, schrieb den Namen ab und veranlasste seine Mitarbeiter, Informationen einzuholen. Der Besitzer des Wagens lebte in Paris, wenn man dem Schildchen im Wagen Glauben schenken durfte.
Einer der Schaulustigen hatte sich dem Wagen genährt. Offensichtlich wurde er von keinem der Polizisten abgehalten mit dem allseits bekannten Satz: »Bitte gehen Sie weiter, hier gibt es nicht zu sehen.«. Wie in den meisten Fällen, ist der Satz natürlich erstunken und erlogen, aber er wurde nicht gesagt und so hatte der Mann die Gelegenheit, am Griff des Kofferraums herumzudrehen. Was er dort erblickte ließ ihn erst blass werden und im Anschluss einen Schrei ausstoßen. Im Kofferraum fand sich ein lebloses, platinblondes Bündel – was den Fall von einem Unfall, zu einer Morduntersuchung werden ließ.
Jemand zupfte Maigret am Ärmel. Es war Justin Rozier, der Wirt der »Auberge aux Noyés«.
»Ich erkenne den Wagen wieder«, erklärte er mit betont geheimnisvoller Miene. »Er gehört meinen beiden jungen Gästen!«
Der Mann, dessen Name am Armaturenbrett des Wagens angeschlagen war, hatte den Wagen an einen Garagenbesitzer verkauft, der den Wagen vor drei Tagen an einen jungen Mann weiterverkauft hat, dessen Name er nicht erfragt hatte, da dieser bar bezahlt hatte. Immerhin konnte ihm der Wirt mit dem Namen des Paares weiterhelfen.
Maigret schlägt in dem Wirtshaus – das übrigens eine miserable Küche hat – sein Hauptquartier auf. Die Journalisten tun es ihm gleich, und einer der Runde tauft für eine Schlagzeile das Etablissement »Wirthaus zu den Ertrunkenen«.
Fakten
Originaltitel: | L'Auberge aux Noyés |
Entstehungsjahr: | 1938 (Winter 1937/38) |
Erscheinungsjahr: | 1944 |
Entstehungsort: | Porquerolles |
Verlag: | Gallimard |
Cinema & TV
L'auberge aux noyés
1989 - Frankreich
ein Film von Jean-Paul Sassy
mit Jean Richard [Maigret]
Für die Ohren
Die Herberge der Ertrunkenen
1953 - RSB
von P.A. Stiller
Das Wirtshaus »Zu den Ertrunkenen«
1997
mit Edgar M. Böhlke
Bibliographie
6 Ausgaben - erste Ausgabe: 1976 - letzte Ausgabe: 2009
1976 Das Gasthaus zu den Ertrunkenen |
1977 Das Gasthaus zu den Ertrunkenen |
1987 Das Wirtshaus zu den Ertrunkenen |
1994 Das Wirtshaus zu den Ertrunkenen |
1995 Das Wirtshaus zu den Ertrunkenen |
2009 Das Wirtshaus zu den Ertrunkenen |
Dokumentinformation
Dokument erzeugt: 03.02.2008
Dokument geändert: 03.02.2008