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Die Katze

Eine der bekanntesten Erzählungen Simenons, verfilmt mit Simone Signoret und Jean Gabin. Letzterer ist uns altbekannt als Maigret-Darsteller und auch Simone Signoret scheint eine gewissen Vorliebe für Simenon zu haben, hat sie doch in der Verfilmung von »Die Witwe Couderc« (Filmtitel: »Der Sträfling und die Witwe«) mitgespielt.

Abbildungen zu »Die Katze« (insgesamt: 9)
Die Katze - Diogenes – 5/2000 Die Katze - Diogenes – 1985 Der Kater - Heyne – 1971

Jean Gabin wird als Emile noch so ungefähr getroffen, als ein ehemaliger Bauarbeiter und späterer städtischer Angestellter, aber Simone Signoret als Marguerite könnte als glatte Fehlbesetzung durchgehen, wird doch die alte Dame als zierlich beschrieben und Simone Signoret ist so ziemlich vieles, aber in dem Film »Die Katze« ist sie kaum zierlich zu nennen (was natürlich nur Äußerlichkeiten betrifft, schließlich ist sie eine meiner Lieblingsdarstellerinen). In Prisma ist folgendes nachzulesen:

Einen ehemaligen Schriftsetzer und seine Frau, die einst eine schöne Zirkusakrobatin war, verbindet nach 25 Ehejahren nur noch Haß. Ihr kleines Haus ist vom Abbruch bedroht, da in der Gegend ein modernes Wohnviertel errichtet wird. Bei ihrem quälenden Versuch, ihren gleichgültigen Mann an sich zu binden, schreckt die Frau vor nichts zurück - mit unvorhersehbaren Folgen…

Da hat irgendjemand die Romanvorlage Simenons ziemlich frei bearbeitet oder es ist eine falsche Beschreibung: Schriftsetzer ist Emile nicht und Marguerite ist keine ehemalige Zirkusartistin sondern Tochter eines gescheiterten Keksfabrikanten und Witwe eines Musikers (der im übrigen ein sehr feinsinnigen Mensch war, was man von Emile nicht sagen kann). Gearbeitet hat sie wohl ihr Lebtag nicht, die einzige Beschäftigung besteht in der Verwaltung der Häuser. Beide waren schon einmal verheiratet, er in eine derbe Hausfrau, mit der er allerdings jede Menge Spaß hatte, wie die Erinnerungen zeigen, sie, wie erwähnt, mit einem feinsinnigen Musiker, der auch Konzerte gab. Die Ehe zwischen Marguerite und Emile dauert mitnichten fünfundzwanzig Jahre – ihre Ehe ist viel früher gescheitert.

Es beginnt mit einem Rohrbruch, den Emile Bouins von seinem Zimmer aus beobachtet. Seit seine Frau an den Spätfolgen eines Unfalls gestorben ist, hat er nicht mehr viel zu tun und hat sich bei einem jungen Ehepaar eingenistet. Er bietet der Marguerite seine Hilfe an und der Rohrbruch ist innerhalb von kürzester Zeit repariert. Er trinkt Wein und wird in der folgenden Zeit von seiner Nachbarin häufiger eingeladen. Irgendwann entschließt man sich, zusammen zu ziehen und heiratet. Ob es nun wirklich Liebe ist, was die beiden zusammenbringt, darf bezweifelt werden: Emile sucht Geselligkeit, sie sucht Sicherheit. Ihn stört, dass nichts mit »Liebe machen« ist; sie stört die Katze.

Eines Tages erkrankt er und als er halbwegs gesundet ist, stellt er fest, dass seine Katze vergiftet im Keller liegt. Sein Verdacht steht fest: das kann nur seine Frau gewesen sein. Wer sonst? Er rächt sich: als er allein im Wohnzimmer ist und reißt dem Papageien seiner Frau ein Großteil seiner Federn aus. Diese Attacke überlebt dieser nicht – sein Frauchen lässt ihn daraufhin ausstopfen und lässt ihren Mann wissen:

ICH HABE ÜBER ALLES NACHGEDACHT: ALS KATHOLIKIN IST ES MIR UNTERSAGT; AN EINE SCHEIDUNG ZU DENKEN. GOTT HAT UNS ZU MANN UND FRAU GEMACHT, UND WIR MÜSSEN UNTER EINEM DACH LEBEN. JEDOCH VERPFLICHTET MICH NICHTS DAZU, MIT IHNEN ZU REDEN, UND ICH BITTE SIE INSTÄNDIG, AUCH IHRERSEITS DAVON ABZUSEHEN.

Von da an fliegen nur noch so die Zettelchen, jeder lebt sein Leben neben dem anderen her und versucht den Ehepartner (kann man das noch so nennen?) einzuschüchtern. Bis Emile genug hat und eigene Wege beschreitet…

Die Idee selber ist soweit hergeholt nicht: Simenons Mutter und ihr zweiter Ehemann verstanden sich nur kurze Zeit sehr gut. Später, er warf ihr vor, nur auf ihre Pension aus zu sein, kommunizierte man nur noch über Zette. (Nachzulesen in: »Brief an meine Mutter«)

Egal ob man den Film schon gesehen hat oder nicht, dass Buch muss man gelesen haben.

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fakten Fakten

Originaltitel:

Le chat

Entstehungsjahr:

1966 (Oktober)

Erscheinungsjahr:

1967

Entstehungsort:

Épalinges

Verlag:

Presses de la Cité

cinema und tv Cinema & TV

Le Chat
[Die Katze]
1971 - Frankreich
ein Film von Pierre Granier-Deferre
produziert von Raymond Danon
mit Jean Gabin [Julien Bouin],
Simone Signoret [Clémence Bouin]

Die Katze
2008 - Deutschland
ein Film von Kaspar Heidelbach
produziert von Gerhard Schmidt
mit Götz George [Siegmar],
Hannelore Hoger [Margret],
Catrin Striebeck [Anni],
Thomas Thieme [Hans Dunke]

nicht so fernNicht so fern...

Brief an meine Mutter

Drei Jahre war die Mutter tot - da griff Simenon zur Feder und schrieb ein Brief an seine Mutter. Es wird häufig als finale Abrechnung bezeichnet, ist aber eher ein Friedensangebot an seine Mutter, eine versöhnliche Beschreibung der Verhältnisse. Simenon lässt es sich nicht nehmen, auch die Punkte aufzuzählen, die dem Simenon-Liebhaber so vertraut sind: aber ist es nicht so, wie mit den Eigenschaften des Kommissar Maigret: Man wartet drauf, dass sie wieder zum Vorschein kommen?

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Die Zeitung war ihm aus den Händen geglitten. Sie fiel erst auf seinen Knien auseinander, dann sank sie langsam herab und landete auf dem gebohnerten Fußboden. Es hätte so aussehen können, als sei er eingeschlafen, hätten sich nicht von Zeit zu Zeit seine Augenlider einen schmalen Spalt breit geöffnet.
Ließ seine Frau sich täuschen? Sie saß in ihrem niedrigen Sessel auf der anderen Seite des Kamins und strickte. Es sah nicht so aus, als würde sie ihn beobachten, aber er wusste seit langem, dass ihr nicht entging, auch nicht das unmerklichste Zucken seiner Muskeln.

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8 Ausgaben - erste Ausgabe: 1969 - letzte Ausgabe: 2014

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1969

Der Kater
in »Im Beichtstuhl/Der Umzug/Der Kater«
Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1971

Der Kater
Heyne (K118)
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

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1975

Der Kater
in »Im Beichtstuhl/Der Umzug/Der Kater«
Neue Schweizer Bibliothek
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1979

Der Kater
in »Im Beichtstuhl/Der Umzug/Der Kater«
Kiepenheuer & Witsch
Übersetzung: Hansjürgen Wille/Barbara Klau

Kein Cover vorhanden

1985

Die Katze
Diogenes (detebe 21378)
Übersetzung: Angela von Hagen

Kein Cover vorhanden

1994

Rache mit tödlichen Folgen [Auszug]
in »Neue Katzenkrimis«
Heyne
Übersetzung: Angela von Hagen

Kein Cover vorhanden

2000

Die Katze
Diogenes (detebe 21378)
Übersetzung: Angela von Hagen

Kein Cover vorhanden

2014

Die Katze
Diogenes (detebe 24150)