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Der Mann hinter dem Spiegel

Es gibt Erzählungen, die sind wirklich sehr selten zu finden. Auf der Maigret-Seite zählen da sicher Morddrohungen und Die Todesstrafe zu, unter den Non-Maigrets darf man als deutschsprachige Seltenheit »Der Mann hinter dem Spiegel« zählen. Die Erzählung ist um so interessanter, als sich Simenon über seinen großen Helden – Maigret – lustig macht. Warum? Hätten Sie erwartet, das an der Seite des Kommissar jahrelang ein Trottel gearbeitet hätte?

Nein, sehen Sie. Die Erzählung stammt aus dem Band »Les dossiers de l’Agence O«, der bisher in einer vollständigen deutschen Ausgabe noch nicht erschienen ist. Nur diese Erzählung wurde aus dem Band herausgegriffen und in einer Krimi-Anthologie veröffentlicht. Das Heft ».38 special« aus dem Ullstein-Verlag hat Ende der achtziger Jahre diese Geschichte veröffentlicht, samt einem schriftlich geführten Interview.

Würde man dem Buchrücken glauben, so käme man schwer ins Grübeln. Steht doch da geschrieben: »Maigret-Mitarbeiter Torrence auf der Jagd nach einer raffinierten Juwelendiebin« - Emile war nie Mitarbeiter von Komissar Maigret gewesen, zumindest ist er mir nicht begegnet. Aber sicher, das ist eine Kleinigkeit. Torrence wird mit einer neuen Klientin konfrontiert, die ihm die Geschichte ihres Vaters erzählt, der gleich eintreffen würde, sie müsste aber auf jeden Fall – so wäre es mit dem Vater verabredet – ein paar Dokumente im Tresor unterbringen. Der Detektiv willigt ein – die ganze Aktion wird von einem zweiten Mann beobachtet, der im Hintergrund anfängt Erkundigungen einzuziehen. So schlägt er im Telefonbuch nach, um die Angaben zu überprüfen und ruft den Detektiv im Nahkampf an, um ihn bestimmte Fragen stellen zu lassen. Der gute alte Torrence ist, um es vornehm auszudrücken, sehr zurückhaltend mit seinen Fragen, vielleicht weiß er auch nicht, die richtigen Fragen zu stellen. Auf jeden Fall, das ist Fakt und wurde von dem Mann hinter dem Spiegel auch beobachtet, lässt er sich ein Beweisstück in Form eines Taschentuches entwenden. Ohne dieses Taschentuches steht die Agentur in einem Fall von schwerem Raubüberfall ziemlich leer da. Noch am Morgen hatten sie dieses Beweisstück an der Polizei vorbei gesichert und nun hat sich Torrence überrumpeln lassen, als die gute Frau einen Ohnmachtsanfall vortäuschte.

Emile, der wahre Geist der Agentur, der nur zu schüchtern ist und deshalb lieber den tolpatschigen Torrence den Vortritt lässt und gezielt die Mär verbreitet, das der etwas kopulente ehemalige Polizist und Mitarbeiter Maigrets, das Hirn der Agentur sei, hat aber schon Maßnahmen ergriffen. Eine Verfolgung, wie man sie aus Der Mann auf der Straße kennt, wird in Gang gesetzt. Die Detektive haben zwei Ziele: sie wollen die Juwelen wiederbeschaffen und die Täter dingfest machen. Letzteres dient allerdings nur der Ehre. Das Geld wird mit der Wiederbeschaffung verdient. Klar, dass die Juwelendiebe daran kein Interesse haben.

Die Geschichten erinnern an den kleinen Doktor, sie sind in einem ähnlichen Ton geschrieben – eine gute Unterhaltung für zwischendurch, mehr nicht.

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fakten Fakten

Originaltitel:

La cage d'Emile

Entstehungsjahr:

1938 (Frühling)

Erscheinungsjahr:

1943

Entstehungsort:

La Rochelle

Verlag:

Gallimard

 

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1988

Der Mann hinter dem Spiegel
in ».38 Special [Bd. 2]«
Ullstein