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Besuch bei Trotzki

Am 7. November 1879 wurde im ukrainischen Janowka Leo Bronstein geboren. Als Schüler schloss sich der junge Mann der sozialdemokratischen Bewegung an, die in Russland nicht gern gesehen war. So wurde er auch im zarten Alter von 19 Jahren das erste Mal verbannt – nach Sibirien, wie sich das für Russland gehörte. Der junge Mann, jetzt vielleicht schon den Namen Trotzki tragend, wollte sich damit nicht abfinden und floh in die Schweiz. Er fand eine Beschäftigung bei der Zeitschrift »Iskra« und lernte Lenin kennen.

Mit den Ideen von Lenin ging er nicht konform und schloss sich dem menschewistischen Flügel der sozialdemokratischen Partei an, die unter der Führung von Julius Martow stand. Immer wieder kehrte Trotzki nach Russland zurück, war aber dort aber wirklich nicht gern gesehen und durfte/musste wieder ins Exil gehen. Nach der Februarrevolution schloss er sich den Bolschewike (und damit Lenin) an und wurde Volkskommissar für Äußeres (er war zum Beispiel Verhandlungsführer bei den Friedensverhandlungen von Brest-Litowsk). Der Tod von Lenin brachte auch für Trotzki nachhaltige Veränderungen: im Machtkampf um die Führung der Bolschewiken Stalin und wurde nach und nach von seinen Partei- und Staatsämter entfernt. 1927 folgte der Ausschluss aus der Partei, im Jahr darauf wurde er nach Kasachstan verbannt, um wiederum ein Jahr später aus der Sowjetuntion ausgewiesen zu werden. In den folgenden Jahren wohnte er in der Türkei, Frankreich, Norwegen und Mexiko und war von dort aus publizistisch tätig. Am 21. August 1940 wurde er in Mexiko City von Agenten der sowjetischen Geheimpolizei ermordet.

Ich bin Hitler ungefähr zehnmal im »Kaiserhof« begegnet, als er bereits Reichskanzler war und nervös aund aufgeregt seinen Wahlkampf führte. Ich habe erlebt, wie Mussolini ohne ein Zeichen von Erschöpfung den Vorbeimarsch von Tausenden junger Leute abhnahm. Und im Montparnasse-Viertel habe ich eines Abends in einer weißen Silhouette, die an den Häusern entlangstrich, Ghandi erkannt, mit einem gefolge von jungen fanatischen Frauen.

So fängt diese kurze Reportage an, die wahrscheinlich ein Interview werden sollte an. Simenon hat sich vorgenommen ein Interview mit Trotzki in Konstantinopel zu führen und der Politiker hat ihm diesen Wunsch erfüllt (obwohl er sehr selten Interviews führte). Eine Bedingung hat er gestellt: die Fragen sind vorher schriftlich einzureichen und der Artikel soll von ihm autorisiert werden. Trotzki hat in der Beziehung wohl sehr Schlechte gemacht.

Der Artikel teilt sich in zwei Teile: im ersten beschreibt Simenon seinen Aufenthalt in Konstantinopel, was er empfindet, wie er zu Trotzki kam und empfangen wurde; der zweite Teil besteht aus der Beantwortung der Fragen.

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fakten Fakten

Originaltitel:

Chez Trotsky

Entstehungsjahr:

1933

Erscheinungsjahr:

1933

Ersterscheinung:

in »Paris-Soir« am 16. und 17. Juni 1933

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Ich bin Hitler ungefähr zehnmal im »Kaiserhof« begegnet, als er bereits Reichskanzler war und nervös aund aufgeregt seinen Wahlkampf führte. Ich habe erlebt, wie Mussolini ohne ein Zeichen von Erschöpfung den Vorbeimarsch von Tausenden junger Leute abhnahm. Und im Montparnasse-Viertel habe ich eines Abends in einer weißen Silhouette, die an den Häusern entlangstrich, Ghandi erkannt, mit einem gefolge von jungen fanatischen Frauen.

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3 Ausgaben - erste Ausgabe: 1982 - letzte Ausgabe: 2002

Kein Cover vorhanden

1982

Besuch bei Trotzki
in »Das Simenon-Lesebuch«
Diogenes (detebe 20500)
Übersetzung: Guy Montag

Kein Cover vorhanden

1988

Besuch bei Trotzki
in »Das Simenon-Lesebuch«
Diogenes (detebe 20500)
Übersetzung: Guy Montag

Kein Cover vorhanden

2002

Besuch bei Trotzki
in »Das Simenon-Lesebuch«
Diogenes (detebe 20500)
Übersetzung: Guy Montag